Künstliche Intelligenz (KI) ist heute zentraler Bestandteil in vielen Unternehmen und wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, da vor allem durch den Einsatz künstlicher Neuronaler Netzwerke (Deep Learning) immer präzisere und vielseitigere KI-Modelle erstellt werden können. Eine der Grundlagen für die Entwicklung von KI ist Open Source Software (OSS), also frei verfügbare Softwaretechnologien. Eine andere wichtige Grundlage sind die Fortschritte in der Hardwareentwicklung, schnellere und anwendungsoptimierte Prozessoren und Speichersysteme. Diese Form der Verfügbarkeit von Software zusammen mit dem Quellcode stellt einen fundamentalen Paradigmenwechsel dar, der v. a. durch amerikanische Techunternehmen vorangetrieben wird. Beide Themenkomplexe KI und Open Source sind unweigerlich miteinander verknüpft, was mit Folgen für die Digitalisierungsstrategie der meisten Unternehmen verbunden ist. Aus dieser Entwicklung haben sich neue Business Models abgeleitet, die entweder als Top-Down oder Bottom-Up umgesetzt werden. Gerade für Unternehmen, die sich weg von einem reinen Produzenten hin zu einem serviceorientierten Unternehmen transformieren wollen, lohnt sich ein genauer Blick auf diese Business Models. Generell lässt sich seit einigen Jahren eine gestiegene Akzeptanz von Open Source-Software in Unternehmen feststellen. Deshalb werden zudem Gefahren und Herausforderungen von Open Source im gewerblichen Einsatz im letzten Teil des Buchkapitels behandelt.
Digitale Innovation
Band 3 und Querschnittsthema
5 Beitrage in der Reihe
Beiträge zum Thema
Band 1 · Digitale Technologien und der Wandel von Geschäftsmodellen (1 Beitrag)
Band 3 · Nachhaltige Geschäftsmodelle durch digitale Innovation und Transformation (4 Beitrage)
Die Digitalisierung in einer Gesamtbetrachtung wird in der Regel durch zwei wesentliche Strömungen bestimmt: Zum einen durch die Digitalen Innovationen, die in der Regel von kleinen Startups in Form von neuen digitalen Technologien oder neuen digitalen Geschäftsprozessen und -modellen entwickelt und auf den Markt gebracht werden. Zum anderen durch die Digitale Transformation, bei der in der Regel die großen Corporates ihre vorhandenen Technologien oder bestehenden Geschäftsprozesse und -modelle digitalisieren (wobei das durchaus auch innovativ erfolgen kann). Die Frage ist nun aber, wie man diese beiden Strömungen miteinander auch im Rückgriff auf die Nachhaltigkeit verbinden kann, so dass eine neue Kraft für den digitalen Fortschritt entsteht, die im Rahmen einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtung sowohl die Startups als auch die Corporates von Vorteil wäre. Diesbezüglich beschreibt der Begriff „Digital Innopreneurship“ die Schaffung einer gemeinsamen digitalen Innovations- und Transformationsfähigkeit von Startups und Corporates, welche sich aus der digitalen Innovationskraft von Startups (Digital Entrepreneurship), der digitalen Transformationskraft von Corporates (Digital Intrapreneurship) sowie der digitalen Synergiekraft (Digital Interpreneurship) zwischen diesen beiden Akteuren zusammensetzt. Der vorliegende Beitrag soll dies veranschaulichen und das Kooperationspotenzial v.a. auch im Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften beschreiben.
In Anbetracht wachsender ökologischer und sozialer Spannungsfelder gewinnt die Entwicklung nachhaltiger Wertschöpfungsstrategien in Unternehmen zunehmend an Relevanz. In diesem Kapitel werden wertorientierte Geschäftsmodelle als strategische Ansätze dargestellt, die nicht nur ökologischen und sozialen Herausforderungen begegnen, sondern auch die langfristige Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen fördern. Ausgangspunkt der Analyse ist die zentrale Forschungsfrage: Wie können wertorientierte Geschäftsmodelle zur Umsetzung unternehmerischer Nachhaltigkeit beitragen und welche Merkmale bestimmen ihren Erfolg in unterschiedlichen Branchenkontexten? Anhand von fünf Fallbeispielen werden die Vorteile und Merkmale solcher Modelle hervorgehoben. Das Kapitel schließt mit den Herausforderungen und Perspektiven dieser Ansätze und unterstreicht deren zentrale Bedeutung in einer nachhaltig orientierten Geschäftswelt.
Digitalisierung und Nachhaltigkeit sind zwei bedeutende Trends, die gegenwärtige ökologische, soziale und wirtschaftliche Strukturen prägen. Unternehmen müssen im Sinne einer gleichzeitigen Twin Transformation beide Entwicklungen miteinander in Einklang bringen. Ein zentraler Treiber dieser Vereinigung liegt in der Entwicklung nachhaltiger digitaler Innovationen. Dieses Kapitel zeigt, dass Unternehmen ein einheitliches Framework benötigen, um nachhaltige digitale Innovationen systematisch zu entwickeln. Obwohl die Thematik bereits in Ansätzen behandelt wurde, fehlt es bislang an klar umsetzbaren Prinzipien. Diese Lücke wird geschlossen, indem ein Framework für nachhaltige digitale Innovation vorgestellt wird. Das Framework basiert auf einer umfassenden Literaturrecherche, einer Delphi-Studie mit 16 Experten im Bereich digitaler Innovation sowie einem Co-Creation-Workshop zur Validierung der Ergebnisse. Die Struktur orientiert sich am Triple-Bottom-Line-Konzept der Nachhaltigkeit sowie an den Phasen des Produktentwicklungsprozesses (Product Strategy, Product Discovery und Product Delivery). Die Ergebnisse verdeutlichen, dass die Entwicklung nachhaltiger digitaler Innovationen eine ganzheitliche Perspektive erfordert, die alle produktrelevanten Stakeholder und Prozesse berücksichtigt. Mit dem vorgestellten Framework leistet das Kapitel einen Beitrag zum besseren Verständnis der Rolle von Nachhaltigkeit in der digitalen Innovation, liefert Expertenperspektiven und Ideen zur digitalen Nachhaltigkeit und bietet einen umfassenden Rahmen für ein nachhaltiges digitales Produktmanagement.
In der Vergangenheit wurden digitale Innovationen (wie Internet, Smartphone, Additive Fertigung, Immersive Technologien) entwickelt, um beispielsweise Arbeit effizienter oder auch Produktionsabläufe leistungsfähiger zu gestalten. Auch die künstliche Intelligenz (KI) hat viele Erleichterungen gebracht und eröffnet neue Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften. Mitarbeitende brauchen bspw. weniger Zeit mit administrativen Tätigkeiten zu verbringen, wenn KI-basierte Assistenzsysteme Routineaufgaben in Unternehmen übernehmen. Im industriellen Kontext kann ein KI-unterstütztes Energiemanagement den Verbrauch in Echtzeit analysieren und damit unnötige Lastspitzen vermeiden. KI hat zudem das Potenzial, die globalen Bemühungen zum Schutz der Umwelt und des Klimas sowie zur Erhaltung der Ressourcen zu beschleunigen. Allerdings verbraucht das Trainieren von KI-Modellen hohe Mengen an Energie und Wasser, weil dazu der Einsatz leistungsstarker Rechenzentren erforderlich ist. Diese verbrauchen enorme Mengen an elektrischer Energie für die Rechenleistung. Gleichzeitig erzeugt dieser Prozess viel Abwärme. Um die Server zu kühlen, wird häufig Wasser zur Kühlung eingesetzt. Auch ethische Aspekte wie Transparenz der Entscheidungsfindung sind beim Einsatz von KI kaum berücksichtigt. In diesem Beitrag zeigen die Autoren, wie durch den Einsatz von KI nachhaltige Geschäftsmodelle und damit ein Mehrwert im Unternehmen geschaffen werden können. Dabei wird darauf geachtet, dass die KI selbst nachhaltig gestaltet ist. Dazu wurde im Forschungsprojekt ESCADE ein Kennzahlenmodell entwickelt, mit dem die Nachhaltigkeit von KI gemessen und bewertet werden kann.