Die zurückliegende Dekade hat eindrucksvoll gezeigt, mit welcher disruptiven Gewalt die digitale Transformation Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen in zahlreichen Industrien und Wirtschaftszweigen gewandelt hat und wie es ideenreiche Entrepreneure durch neuartige Geschäftsmodelle gelungen ist, sich erfolgreich am Markt zu etablieren. Trotz der zunehmenden Bedeutung von digitalen, datenbasierten und plattformbasierten Geschäftsmodellen sind ihre konzeptuellen Grundlagen und spezifischen Charakteristika bislang nur unzureichend erforscht und systematisiert. Dieser Grundlagenbeitrag unternimmt den Versuch, konzeptionelle Klarheit zwischen diesen Begrifflichkeiten herzustellen, konstituierende Merkmale der drei Arten von Geschäftsmodellen herauszuarbeiten und diese in ein geschäftsmodellorientiertes Rahmenwerk zu überführen. Die Anwendbarkeit und Nützlichkeit des entwickelten konzeptionellen Rahmenwerks werden anhand unterschiedlicher Praxisbeispielen verdeutlicht.
Digitale Plattformen
Plattformökonomie und Plattform-Geschäftsmodelle
4 Beitrage in der Reihe
Beiträge zum Thema
Band 1 · Digitale Technologien und der Wandel von Geschäftsmodellen (2 Beitrage)
Der Anwendungsbereich der Blockchain-Technologie ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Hat man diese Methode vor allem anfangs für die Bereitstellung von Kryptowährungen genutzt, so verspricht man sich heute auch im industriellen Umfeld einen wirtschaftlichen Vorteil davon. Mehrere KMU können sich mithilfe von Blockchain zu einem Wertschöpfungsnetzwerk verknüpfen, um Aufträge effizient zu bearbeiten. Dies bedeutet, dass die Unternehmen miteinander kooperieren und Arbeiten untereinander aufteilen, um gemeinsam Produkte zu fertigen. Da hierfür Know-how und Daten, wie z.B. Zeichnungen, ausgetauscht werden müssen, spielen gegenseitiges Vertrauen und Sicherheit eine große Rolle. Blockchain bietet durch kryptographische Methoden und Sicherheitssysteme eine Möglichkeit, jene Punkte sicherzustellen und mit einer Plattform zu koppeln, auf der jedes integrierte Unternehmen als gleichwertiger Partner betrachtet wird. Anhand des Blockchain-Demonstrators des Mittelstand-Digital Zentrums Ilmenau wird in diesem Beitrag erörtert, wie die Zusammenarbeit von Unternehmen innerhalb eines vertrauensvollen Netzwerks gelingen kann. Anhand dieser Vorstellung soll ein gesamtheitlicher Überblick über die Vorteile, Chancen aber auch der Risiken vermittelt werden und ein gedanklicher Einstieg in die Welt der stetig wachsenden kooperierenden Wertschöpfungsnetzwerke gelingen.
Band 3 · Nachhaltige Geschäftsmodelle durch digitale Innovation und Transformation (2 Beitrage)
Die digitale Transformation hat sich als ein entscheidender Faktor für die Förderung von Nachhaltigkeit erwiesen und umgekehrt. Digitale Plattformen spielen hier eine besondere Rolle, denn sie ermöglichen es Unternehmen, ihre Ressourceneffizienz zu verbessern und nachhaltige Konsummodelle zu fördern. Im Beitrag wird untersucht, wie digitale Plattformen zur nachhaltigen Entwicklung beitragen können, indem sie ökonomische, soziale und ökologische Nachhaltigkeit in ihre Geschäftsmodelle integrieren. Dieser Beitrag bietet nicht nur praktische Beispiele und diskutiert geschäftsmodellrelevante Aspekte digitaler Plattformen und ihre Auswirkungen auf Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft. Er stellt auch auch ein theoretisches Rahmenkonstrukt für die weitere wissenschaftliche Anschlussforschung zur Verfügung. Dieser Rahmen wird mit diversen Geschäftsmodellarten mit Nachhaltigkeitsbezug verknüpft. Am Beispiel von Uber werden die präsentierten Aspekte in einer Fallstudie kondensiert und Chancen sowie Herausforderungen bei der Etablierung und Optimierung von Nachhaltigkeit sowie die Rolle politischer Entscheidungsträger bei der Schaffung unterstützender Rahmenbedingungen und Anreize diskutiert.
Die Transformation zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise bedeutet, sich von alten Denkmustern zu befreien, neue Konzepte zu verfolgen und Innovationen zuzulassen. Aktuell ist unsere Wirtschaftsweise geprägt durch das take-make-waste-Modell einer Linearwirtschaft: Rohstoffe werden entnommen, zu Produkten verarbeitet und dann nach einer kurzen Nutzungsphase wieder entsorgt. Ein Konzept für ein nachhaltiges Wirtschaftssystem ist beispielsweise die Circular Economy (CE), die unter Beachtung der planetaren Grenzen unserer Erde agiert. CE bedeutet Materialien, Komponenten und Produkte so lange wie möglich im Kreislauf zu führen. Bereits bei der Entwicklung eines Produktes sollte bedacht werden, was am Ende mit dem Produkt geschieht. Dabei geht es nicht um ein Design für eine verbesserte Recyclebarkeit, sondern vielmehr darum, die Lebensdauer von Produkten, Komponenten oder Materialien zu verlängern und sie effektiver zu nutzen. Dies kann durch Strategien, wie etwa das Vermeiden, Reparieren, Wiederverwenden, Recyclen oder auch das Rückgewinnen von Produkten und Materialien entlang der Lieferkette, geschehen. Um jedoch langfristig die Strategien der CE im Unternehmen zu implementieren, müssen nicht nur Produkte ganzheitlich überdacht werden, sondern auch die damit verbundenen Geschäftsmodelle. Dabei spielen insbesondere digitale Technologien, wie etwa KI, Robotik, additive Fertigung oder Internet of Things sowie digitale Anwendungen wie beispielsweise Bildauswertung, Online-Plattformen oder der digitale Zwilling eine wichtige Rolle. Sie können bei der Umsetzung der Strategien unterstützen und ein Ermöglicher der Transformation zur CE sein. Der Beitrag untersucht, wie digitale Lösungsansätze die effektive Umsetzung der CE-Prinzipien ermöglichen.